Von: Franzel Kerstan
die Schräge Idee des Ortsbürgermeisters Franzel Kerstan
- der Einsatz einer Schneckentrogpumpe zur Wasserförderung -
Ziel:
Den in den Sommermonaten trockenfallenden Graben mit dem überschüssigen Wasser des Landgrabens zu befüllen.
Der Versteppung entgegen zu wirken.
Ergebnis:
Durch Versickerung Verbesserung des Landschaftsgrundwasserhaushaltes und Verbesserung der Ernteerträge der Landwirtsachaft in der Region.
Pressemitteilung:
Schräge Idee erhält Fundament !
Die Naturparkgemeinde 2006, wurde der Ortsteil Gräbendorf . Der Ortsbürgermeister, Franzel Kerstan, deutete bei der Verleihung des Titels an, er habe da so eine schräge Idee, wie in der Region mit der Geldprämie etwas Nachhaltiges getan werden kann. Diese Idee beschäftigte voran viele, denn es musste eine Lösung gefunden werden und bezahlbar musste sie auch sein. Von einer Verschandelung der Landschaft , so einen Klapperkasten in der Landschaft woll’n wir nicht , bishin zur Äußerung – geht ja gar nicht – blies für die Idee des Vorhabens ein ganz schöner Gegenwind . „ Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint .... taugt sie nichts “, stellte Herr Holger Görlitz von der Dubrow GmbH das Zitat von Albert Einstein vor, und legte die Grunddaten für das Vorhaben fest. Die Wasserwirtschaftler des Wasser – und Bodenverbandes mit Herrn Torsten Woitke, Herrn Helge Albert von der Unteren Wasserbehörde und der Schulzendorfer Jörg Pohland stellte dann die Idee auf die Füße. Aber der Weg war sehr weit, bis etwas passieren konnte.
Machbar ist alles, aber es hat eben seinen Preis.
Die Franzel - Idee war ja ganz einfach : Wasser zurückhalten in der Region mit einer Archimedischen Schraube.
Kleiner Pferdefuß : Ein Energieanschluss ist nicht vorhanden und klappern sollte auch nichts. Das Projekt drohte mehrmals zu scheitern, stellt Holger Görlitz fest, aber Torsten Woitke stand zu dem Projekt und Jörg Pohland hat die machbare Lösung nach vielen Anläufen gefunden.
Die technische Lösung : Eine Windkraftanlage treibt die Archimedische Schraube an.
Was ist dabei so schwer ? Nur Geld und Wind !
Die Mittelbrandenburgische Sparkasse , die Firma Fahrner – Bau aus Dahlewitz und die spätere Baufirma RAKW aus Wildau stellten Mittel zur Verfügung, um die Idee mit Leben zu erfüllen. Ohne Fördermittel vom Landesamt für Verbraucherschutz., Landwirtschaft und Flurneuordnung, wäre die Anschubinvestition nicht möglich gewesen. Auch ohne die Hilfe des Landschaftspflegeverbandes Mittelbrandenburg, der EG Hartmut Gawron aus Gussow und der Dubrower Agrargenossenschaft wäre das Vorhaben nicht zum Abschluss gekommen.
Der Wind, der Wind das himmlische Kind, hat der Anlagenindustrie 2007 gute Aufträge beschert, da konnten die Hersteller von klassischen Hebeanlagen nicht zurückstecken. Die Angebote lagen bei der erforderlichen öffentlichen Ausschreibung bei über 250 % gegenüber 2006“, stellte Jörg Pohland fest. Da Wind auch mal etwas mit dem Mühlenbau zu tun hatte, ging Jörg Pohland fortan andere Wege und klapperte diese Betriebe ab. Die Firma Baumgarten aus Porta Westfalica, gab endlich den erhofften Preis für eine Archimedische Schraube für die Förderung von Getreide ab – diese wurde dann auf die Aufgabenstellung angepasst. Über italienische und polnische Kontakte führte schließlich noch ein Weg, zu einem Savonius - Windkraftanlagenbauer nach Dortmund, der für seine Anlage noch einen vertretbaren Preis verlangte.
„Zünglein“ an der schrägen Idee war aber Wilfried Gromotka von der Firma Rohr - und Anlagenbau ( RAKW ) aus Wildau. Was nützt die schönste Idee, wenn man aus Geldmangel die Komponenten nicht zusammenführen kann. Der oft in Gräbendorf tätige Betrieb steuerte die restlichen Bauleistungen bei, und stellte die schräge Idee auf ein Betonfundament.
Noch in diesem Jahr wird die Probeanlage in Betrieb gehen, die bis zu 120 m3 / d Wasser in die Gräbendorfer - Gräben pumpen wird. Die gelb – grüne Windkraftanlage aus Kunststoff, fügt sich in die Landschaft ein und das Rauschen des Wassers ist nur zu hören.
Für den Naturpark Dahme – Heidesee, besteht nun eine Attraktion mehr . Eine Savonius – Windkraftanlage und eine Archimedisches Schneckenpumpwerk für einen guten Zweck, Wasser in der Region zu halten und die Kinder mit dieser Anlage für die Problemlösung der Zukunft zu gewinnen.
Wilfried Gromotka vom RAKW und Franzel Kerstan überprüfen die Anlagenteile für den Probebetrieb. Zum Jahresende 2007, sollen die Bewässerungsgräben mit Hilfe der Anlage wieder einen normalen Wasserstand erhalten.
Die Archimedes – Pumpe
oder auch Schneckentrogpumpe
Das hier angewendete Pumpwerk fördert Flüssigkeiten entgegen der Schwerkraft.
Diese Erfindung wird dem griechischen Mathematiker und Physiker, der sich auf dem Gebiet der Mechanik mit der Hebelwirkung beschäftigte, zugeschrieben. (Hebelgesetze)
Diese Archimedes – Schraube dreht sich in einer schräggestellten Halbschale (Trog oder Rinne) oder auch in einem geschlossenen Rohr und ist am tiefer gelegenen Ende (Graben, Fluss oder See) in das Wasser eingetaucht.


Wenn nun die Schraube (oder auch Schnecke) die richtige Drehrichtung hat, wird an dem tiefer gelegenen Ende (Einlauf) das Wasser aufgenommen und an das obere Ende (Auslauf) gefördert und an das höher gelegene Bewässerungsgebiet über die Gräben verteilt.
Dabei kann durch den engen Zwischenraum (Schlitz) zwischen der Archimedes – Schnecke und dem Gerinne oder auch Wasserrohr das Wasser nicht zurückfließen, weil das Zurückfließen von dem in dem tiefer gelegenen Schneckenpumpenabschnitt befindlichen Wasser auf Grund der Massenträgheit der Flüssigkeit verhindert wird.
Diese Archimedes – Schneckentrogpumpe erzeugt am unteren Ende (Einlauf) keinen Unterdruck und am oberen Ende (Auslauf) keinen Überdruck und hat einen sehr hohen Wirkungsgrad.
In Ägypten wurde dieses Prinzip schon vor 2000 Jahren zur Bewässerung der Ackerflächen genutzt.
Dabei wurde ein sehr gerader Holzstamm (Holzkern) mit biegsamen Ruten (etwa Weidenruten) umwickelt und die dadurch entstandene Schnecke mit Pech abgedichtet.
Angetrieben wurde diese Schneckentrogpumpe von Hand, durch Tierarbeit oder durch Windkraft, wie heute noch in Holland zur Polderentwässerung genutzt.
In der Küche findet man das Prinzip im Fleischwolf wieder.
Bei der Mehlherstellung in der Mühle findet man die Schneckentrogpumpe im Einsatz zum Transport der Getreidekörner.
In Klärwerken ist diese Schneckentrogpumpe für den Dickschlammtransport eingesetzt.
Prinzip der Archimedes-Schraube

Hauptabmessungen einer Schneckenpumpe
Die nebenstehende Abbildung zeigt die wesentlichen Hauptabmessungen:
d = Kernrohrdurchmesser
D = Schneckendurchmesser
β = Aufstellwinkel
Ho = konstruktive Förderhöhe
H1 = Wasserspiegeldifferenz bzw. nutzbare Förderhöhe
H2 = max. Förderhöhe (Staudruckschnecke)
H3 = tatsächlich erforderliche hydraulische Förderhöhe
J = Gangzahl (hier: 3)
L = beschaufelte Länge
S = Steigung


Argumente für diese Anlage
- Die Landschaft der Gemeinden Gräbendorf, Pätz und Gussow liegt im Baruther Urstromtal und weist sehr unterschiedliche Bodenformationen auf. Dies hat zur Folge, dass einige Flächen im Niederungsgebiet des Pätzer Plans und des Gräbendorfer Schmiedeluchs durch den Landgraben zu entwässern sind, aber andere höher gelegene Flächen, sehr trockene Sandböden, zur Ertragsverbesserung dringend zu bewässern wären.
- Die Entwicklung des Klimas zeigt, dass in Zukunft der Wasserbedarf in der Region als problematisch bezeichnet werden muss.
- Der Landschaftsgrundwasserhaushalt in der Region (durch Messungen seit 1950 statistisch gesicherte Werte) hat ein Defizit von etwa 0,60 m erreicht. Eine Ursache dafür ist die Flutung der Tagebaurestlöcher als Seenplatte in der Lausitz, aber auch die Klimaentwicklung.
- Der Wasser und Bodenverband „Dahme – Notte“ hat mit der Anlage von Solgleiten (Staustellen im Grabensystem) erreicht, im Pätzer Plan dem schnellen Abfluss des Oberflächenwassers nach starken Regenfällen von den Landwirtschaftsflächen der zwei genannten Ortsteile Pätz und Gräbendorf durch dieses Stausystem entgegen zu wirken und das im Grabensystem gesammelte Regenwasser mittels Versickerung dem Landschaftsgrundwasserhaushalt in dieser Region zuzuführen.
- Der Grobsgraben in den Landwirtschaftsflächen der Ortsteile Gräbendorf und Gussow liegt auf einer höher gelegenen sandigen Ackerfläche mit Bodenwerten von 13 bis 18 Punkten, also mit einem sehr niedrigen Ertrag für die Landwirtscghaftsbetriebe auf Grund des trockenen und wenig fruchtbaren Ackerlandes.
- Das über den Landgraben und den Flussläufen Dahme, Spree, Havel und Elbe zur Nordsee abfließende Oberflächenwasser wird von diesem Schöpfwerk aufgenommen, in den Grobsgraben gefördert und dem Landschaftsgrundwasserhaushalt in seinem Einzugsgebiet durch Versickerung zugeführt.